Immer mehr Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Energieversorgung wirtschaftlich, flexibel und nachhaltig zu gestalten. Moderne Gewerbespeicher leisten hier einen wichtigen Beitrag und etablieren sich zunehmend als zentrale Komponente zukunftsfähiger Energiekonzepte.
Sie ermöglichen unter anderem die Optimierung des Eigenverbrauchs, die Reduzierung von Netzentgelten sowie die Nutzung volatiler Strompreise. Welche Einsatzmöglichkeiten Gewerbespeicher außerdem bieten und für welche Unternehmen sie besonders geeignet sind – mehr dazu in diesem Beitrag.
Volatile Strompreise, steigende Netzentgelte, neue regulatorische Anforderungen: Der Strommarkt verändert sich rasant, und Unternehmen müssen Ihre Energieversorgung zunehmend dynamischer gestalten. Gewerbespeicher spielen hierbei eine zentrale Rolle. Sie helfen dabei, Energiekosten gezielt zu steuern, Lastspitzen zu kappen und unabhängiger von kurzfristigen Marktschwankungen zu werden.
Welche konkreten Vorteile ein Gewerbespeicher für Unternehmen bietet, hängt maßgeblich von den individuellen Anforderungen und der Einbindung in die bestehende Energieinfrastruktur ab.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Gewerbespeicher zu betreiben: als Kombination mit einer eigenen Erzeugungsanlage (Co-Location) oder als eigenständiges, netzgekoppeltes System (Stand-Alone). Beide Varianten unterscheiden sich in ihrer Systemarchitektur, ihren Einsatzmöglichkeiten und den wirtschaftlichen Potenzialen. Je nach gewähltem Modell können unterschiedliche Anwendungsbereiche im Vordergrund stehen.
Unter Co-Location versteht man die Installation einer erneuerbaren Energieanlage, etwa einer Photovoltaikanlage, und eines Gewerbespeichers mit gemeinsamem Netzanschluss. Während das Co-Location-Modell häufig mit großen Solarparks in Verbindung gebracht wird, eröffnet es auch für Industrie- und Gewerbebetriebe erhebliche Chancen.
Ein typisches Beispiel wäre ein Gewerbeobjekt mit einer 165 kWp Photovoltaikanlage, einem 250 kWh Batteriespeicher und mehreren AC-Ladestationen, die über denselben Netzanschluss betrieben werden. Durch die gemeinsame Nutzung der vorhandenen Netzinfrastruktur lassen sich Investitionskosten reduzieren und Flächen effizient nutzen. Der Gewerbespeicher übernimmt dabei eine zentrale Funktion: Er ermöglicht es zum Beispiel, den Eigenverbrauch von kostengünstigem Solarstrom zu maximieren und Lastspitzen gezielt zu reduzieren.
Im Gegensatz zum Co-Location-Modell arbeitet ein Stand-Alone-Speicher unabhängig von einer eigenen Erzeugungsanlage und kann flexibel an unterschiedlichen Standorten installiert und an das Stromnetz angeschlossen werden.
Der zentrale Vorteil liegt in der direkten und dynamischen Interaktion mit dem Energiemarkt. Stand-Alone-Speicher ermöglichen den Zugang zu Regelenergiemärkten, Arbitragegeschäften (Strom günstig einkaufen und zu höheren Preisen einspeisen) sowie verschiedenen Netzdienstleistungen. Damit entsteht eine wirtschaftlich attraktive Grundlage für Unternehmen, die aktiv am Energiemarkt teilnehmen möchten.
Ein typischer Anwendungsfall für Gewerbespeicher ist die Optimierung des Eigenverbrauchs. Diese ist vor allem dann sinnvoll, wenn Stromerzeugung und -verbrauch zeitlich auseinanderfallen. Produziert die Photovoltaikanlage beispielsweise mittags hohe Strommengen, während der Verbrauch im Unternehmen überwiegend morgens oder abends anfällt, kann der erzeugte Solarstrom zwischengespeichert und bedarfsgerecht genutzt werden.
Wird der selbst erzeugte Strom direkt vor Ort verbraucht, ohne das öffentliche Netz zu durchlaufen, entfallen auf diesen Anteil außerdem Stromsteuer, Umlagen und Netzentgelte. Die Stromsteuerbefreiung gilt aktuell für Anlagen bis 2 MWp.
Wichtiger Hinweis: Die steuerrechtlichen Regelungen im Energiebereich sind hochkomplex und hängen stark von den individuellen Gegebenheiten Ihres Unternehmens ab. Da wir keine steuerliche Beratung durchführen können und dürfen, empfehlen wir Ihnen dringend, für die finale Prüfung und Absicherung einen qualifizierten Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer hinzuzuziehen.
Ein weiterer Einsatzbereich von Gewerbespeichern ist die sogenannte Lastspitzenkappung (Peak Shaving). Treten kurzfristig hohe Leistungsbedarfe – sogenannte Lastspitzen – auf, stellt der Speicher die erforderliche Energie bereit und reduziert dadurch den Netzbezug.
Besonders relevant ist dieser Anwendungsfall für Unternehmen mit stark schwankenden Lastprofilen, etwa in der Industrie, wenn mehrere energieintensive Maschinen gleichzeitig anlaufen.
Der wirtschaftliche Vorteil des Peak Shavings ergibt sich aus der Struktur der Netzentgelte: Bei Großkunden mit Lastgangmessung (ab 100.000 kWh Jahresverbrauch) setzen sich diese aus einem Arbeitspreis und einem Leistungspreis zusammen. Letzterer orientiert sich an der höchsten bezogenen Leistung innerhalb eines 15-minütigen Zeitfensters. Bereits eine einzelne außergewöhnliche Lastspitze kann damit die Höhe der Netzentgelte für das gesamte Jahr maßgeblich beeinflussen.
Wer das volle Potenzial eines Gewerbespeichers ausschöpfen will, nutzt die Dynamik des Energiemarktes. Dadurch lassen sich zusätzliche Erlösmöglichkeiten erschließen und die Wirtschaftlichkeit des Speichers weiter steigern.
Ein bewährtes Modell ist die Spotmarkt-Arbitrage: Dabei wird Strom in Phasen niedriger Börsenpreise eingekauft und im Batteriespeicher zwischengespeichert. Steigen die Preise, wird die gespeicherte Strommenge wieder vermarktet. Der wirtschaftliche Nutzen ergibt sich aus der Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Dieses Modell funktioniert sowohl als Stand-alone-Anwendung als auch im Rahmen von Co-Location-Projekten, bei denen freie Speicherkapazitäten zusätzlich vermarktet werden.
Bislang wird Arbitragehandel überwiegend mit großen Batteriespeichern ab einer Kapazität von etwa 1 MWh betrieben. Grundsätzlich können jedoch auch kleinere Gewerbespeicher am Stromhandel teilnehmen. Je nach Strategie stehen verschiedene Formen der Stromvermarktung zur Verfügung:
Insgesamt kann der systematische Arbitragehandel einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern leisten und ihre Rolle im Energiesystem deutlich stärken.
Bei der atypischen Netznutzung verlagern Unternehmen ihren Strombezug gezielt in Zeitfenster außerhalb der allgemeinen Hochlastphasen. Gewerbespeicher ermöglichen diese Lastverschiebung flexibel im laufenden Betrieb. Unter bestimmten Voraussetzungen können Unternehmen dadurch individuelle Netzentgelte beantragen und ihre Stromkosten deutlich senken.
Damit der Netzbetreiber die Reduzierung genehmigt, muss die Leistungsdifferenz zwischen der Höchstlast in und außerhalb der Hochlastphase folgende Schwellenwerte erreichen:
Zusätzlich gilt eine Mindestverlagerung von 100 kW Leistung über alle Netzebenen hinweg. Wie das Prinzip der atypischen Netznutzung genau funktioniert, zeigt folgendes Praxisbeispiel.
Wird ein Batteriespeicher ausschließlich für einen einzelnen Anwendungsfall eingesetzt, bleibt sein Potenzial häufig ungenutzt. Dient er beispielweise nur der Eigenverbrauchsoptimierung, steht er insbesondere in den Wintermonaten aufgrund der geringen PV-Erträge oft still.
Wesentlich effizienter ist die Mehrfachnutzung eines Speichers (Multi-Use). Dabei übernimmt das Batteriesystem mehrere Funktionen gleichzeitig, wie beispielsweise die Eigenverbrauchsoptimierung, das Peak Shaving sowie die Teilnahme am Strommarkt. Durch diese Kombination steigt die Auslastung des Speichers, zusätzliche Erlöspotenziale werden erschlossen und die Amortisationszeit kann deutlich verkürzt werden.
Der Ausbau ihrer Ladeinfrastruktur stellt viele Unternehmen vor technische und wirtschaftliche Herausforderungen. Werden mehrere Elektrofahrzeuge gleichzeitig geladen – insbesondere mit hoher Ladeleistung –, steigt der Leistungsbedarf innerhalb kurzer Zeit deutlich an. Dadurch kann der bestehende Netzanschluss an seine Kapazitätsgrenzen stoßen.
In Kombination mit einem intelligenten Lademanagement können Batteriespeicher diese Lastspitzen gezielt abfedern. Sie fungieren als ein lokaler Energiepuffer, der Strom bei hohem Leistungsbedarf kurzfristig bereitstellt. Dadurch wird der Netzanschluss entlastet und die verfügbare Anschlussleistung effizient genutzt.
Auch an Standorten mit begrenzter Netzanschlusskapazität lassen sich so leistungsfähige Ladeinfrastruktur-Projekte realisieren. Gleichzeitig können Unternehmen den kosten- und zeitintensiven Ausbau des Netzanschlusses vermeiden.
Ob mit Solaranlage (Co-Location) oder ohne (Stand-Alone), Gewerbespeicher machen die Energieversorgung von Unternehmen flexibel und zukunftsfähig:
Der Erfolgsfaktor? Eine Multi-Use-Strategie! Wer die Einsatzmöglichkeiten eines Gewerbespeichers intelligent kombiniert, sichert sich die schnellste Amortisation und macht sich maximal unabhängig vom Strommarkt.